In den letzten Jahren haben Ärzt:innen und Wissenschaftler:innen durch neue diagnostische Verfahren und Studien mehr über IgG4-RD herausgefunden und verstehen die komplexe Erkrankung darum deutlich besser. Mit modernen Diagnoseverfahren lässt sich zum Beispiel genau beobachten, wie sich die Erkrankung entwickelt. Das macht es möglich, Behandlungen individuell auszurichten.

Für jede Patientin und jeden Patienten kann ein Behandlungsplan erstellt werden, der auf die Schwere der Erkrankung und die betroffenen Organe abgestimmt wird. Auch wenn es keine Heilung für IgG4-RD gibt, kann eine konsequente Behandlung die Krankheit oft zum Erliegen bringen und ein Wiederauftreten in vielen Fällen verhindern.1

Die Therapie erfolgt meist in zwei Schritten2,3

Das wichtigste Ziel ist dabei, Entzündungen möglichst früh zu stoppen und die Funktion der betroffenen Organe zu erhalten.

Induktionstherapie

Induktionstherapie – der intensive Beginn der Behandlung

Zu Beginn der Therapie wird die aktive Entzündung gezielt bekämpft, um die Entzündung rasch zu kontrollieren, Beschwerden zu lindern und Organschäden möglichst zu verhindern. Diese Phase nennt man Induktionstherapie. Dafür werden in der Regel Glukokortikoide (Kortisonpräparate) eingesetzt. Sie wirken meist schnell und zuverlässig. In dieser Anfangsphase kommen oft höhere Dosierungen zum Einsatz, um die Entzündung effektiv einzudämmen.

Erhaltungstherapie – den Behandlungserfolg sichern

Wenn sich die Entzündung zurückbildet, beginnt die sogenannte Erhaltungstherapie. In dieser Phase wird die Dosis der Glukokortikoide schrittweise reduziert und andere Medikamente hinzugefügt. Ziel ist es, den erreichten Behandlungserfolg langfristig zu sichern, Rückfälle zu vermeiden und die Entzündung dauerhaft unter Kontrolle zu halten. Gleichzeitig wird darauf geachtet, mögliche Nebenwirkungen der Medikamente so gering wie möglich zu halten. Je nach Intensität und Krankheitsaktivität kann die Erhaltungstherapie unterschiedlich lange notwendig sein.

Der aktuelle Stand der Forschung4
Die derzeit für die Therapie der IgG4-RD eingesetzten Medikamente stammen aus anderen Bereichen der Immunmedizin und werden aufgrund ihrer Wirksamkeit bei ähnlichen Erkrankungen verwendet. Viele Behandlungsansätze basieren auf Erfahrungen aus der Praxis und kleineren Studien – hier wird weiter geforscht, um in naher Zukunft gezieltere Therapien zu ermöglichen.

Welche Medikamente werden eingesetzt?1,2

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Kortisonpräparate ­(Glukokortikoide) 

wirken schnell entzündungshemmend und kommen häufig in der Anfangsphase der Behandlung (Induktionstherapie) zum Einsatz. Sie helfen, die akuten Beschwerden rasch zu lindern. Die Dosis wird später schrittweise reduziert, um Nebenwirkungen zu minimieren. 

ImmunsuppressiveImmunsuppressive

Immunsuppressive ­Therapien 

können gegebenenfalls Bestandteil der Behandlung sein. Dabei werden sogenannte Immunsuppressiva eingesetzt, Medikamente, die das überaktive Immunsystem gezielt dämpfen. Ziel ist es, die Entzündung langfristig zu kontrollieren und Rückfälle zu verhindern. 

BiologikaBiologika

Biologika

sind moderne Medikamente, die gezielt in das fehlgeleitete Immunsystem eingreifen. Sie blockieren bestimmte Signalwege und können die Entzündung wirksam bremsen. Biologika kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn andere Therapien, wie Kortison oder Immunsuppressiva, nicht ausreichend wirken oder nicht gut vertragen werden.

Wichtig: Behandlungsplan einhalten
Halten Sie sich möglichst genau an den mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abgestimmten Behandlungsplan. Dazu gehört auch die Einnahme von Medikamenten wie Kortison oder immunsuppressiven Wirkstoffen, selbst dann, wenn Sie sich aktuell gesund fühlen.
  • Referenzen
    1. Stone JH et al. N Engl J Med 2025; 392(12):1168-1177.
    2. Khosroshahi A et al. Arthritis Rheumatol 2015; 67(7):1688-1699.
    3. Tanaka Y, Stone JH. Mod Rheumatol 2023; 33(2):229-236.
    4. Lanzillotta M et al. BMJ 2020; 369:m1067.